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Was ist das beste an einem Notizheft?

leeres Blatt

Genau. Dass es am Anfang komplett leer ist. Die perfekte Leinwand zum Projizieren von Gedanken. Keine Popups, kein Facebook, keine Mails und sonstige Ablenkungen. Aufmachen, losschreiben

Eine leere Seite lädt zum Kritzeln ein. Eine komplett leere Seite ist zu 100% voller Möglichkeiten, sie kann verführen und abschrecken zugleich.

Und jetzt das typische Schreib-Interface auf dem Mac:

Word-Interface auf dem Mac

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber die meisten Schreibprogramme widern mich an. Word ist ein Frankenstein und seine Gefährtin Pages ist nicht viel hübscher. Diese Programme sorgen dafür, dass ich abgelenkt bleibe, statt konzentriert zu arbeiten.

Ich kann wirklich nichts dafür, dass ich über das Interface nachdenken muss, statt zu schreiben, wenn es mir die Sicht blockiert.

Es ist schlimm genug, dass ich auf Papier die Ränder voll kritzele bis nur ein Viertel der Fläche zum Schreiben übrig bleibt. Ich brauche nicht das gleiche am Bildschirm.

Lange habe ich iA Write benutzt, aber nach der Pro Version war’s vorbei. Der Minimalismus wurde mit einem «Workflow» verklatscht, der mir das Hirn sprengte, statt praktischen Nutzen mit sich zu bringen.

Schmetterlingsfeder. Die Wahl griechischer Mythoshelden.

Schmetterlingsfeder. Die Wahl griechischer Mythoshelden.

Was für mich funktioniert ist Ulysses. Ich breche mir nur jedes mal die Zunge, wenn ich versuche, Ulysses auszusprechen. Alle «kendoo», «wimdoo» und «rundoklangoo» Unternehmen können ihre Marketingabteilung guten Gewissens feuern. Der Klang des Produktnamens ist wirklich, ernsthaft scheiß egal. Nicht mal das Icon muss fetzen.

Die Anwendung selbst ist ein Schatz. Sowohl auf dem Mac als auch auf dem iPad. Etwas uriges wird bei mir geweckt, wenn ich Buchstaben in der Laufzeile erscheinen sehe.

Textdekoration ausschließlich mit Markdown und Markdown XL. Fast vollständige Abwesenheit des Interfaces. Es gibt das Schreibfenster in hell und dunkel (und paar anderen Farben für die Individualisten):

Ulysses Hell-Dunkel Modus

Und Ordner- und Anhangsansichten, damit ihr nicht vergesst, dass es ein Schreibprogramm ist. Beide Ansichten lassen sich ausblenden:

Ulysses Ordneransichten

Mit der App kann ich endlich so schreiben, wie ich mir das vom Arbeitsablauf her vorstelle. Vor allem wenn jemand versucht, regelmäßiger zu schreiben oder ein größeres Manuskript zu erstellen, ist Ulysses ein sehr nützliches und einfaches Werkzeug dafür. Falls ihr noch auf der Suche nach der passenden Schreib-App seid — hear me out.

Was ist drin?

Projekte werden in gewöhnlichen Verzeichnissen verwaltet mit «Blättern», die Textdateien repräsentieren (denkt Kapitel, Abschnitte, Beiträge). In einer lokalen Datenbank gespeichert oder als externes Verzeichnis von der Festplatte verknüpft. Synchronisiert einwandfrei per iCloud, Google Drive oder Dropbox zwischen dem Mac und iPad.

Ordner, Filter und Blätter bei Ulysses

Im Verzeichnis auf der Festplatte sind es einzelne Dateien. So funktioniert die Synchronisation mit Dropbox, allerdings ohne «XL-Features» wie Annotationen oder Schreibziele. Dafür können Textdateien mit jeder anderen App geöffnet und bearbeitet werden. Die Datei im icloud ist eine Datenbank, die leider nicht mit anderen Textanwendungen verwendet werden kann.

Mit einem simplen Workflow kann ich das Schreibziel von mindestens 500 Wörtern am Tag spielend erreichen (was übrigens auch immer Hemingways Vorsatz gewesen ist). Um auf 15K im Monat zu kommen, damit alle Projekte wie gewünscht vorangehen.

Die App steigert das Schreibvergnügen und hilft bei der Organisation. Echt jetzt.

Mehr schreiben. Nicht die Übersicht verlieren.

Ob für einen Blog oder das nächste eBook — es werden Flüsse an Schreibmaterial sprudeln müssen. Schreiben, kürzen. Umformulieren und ausführlicher werden. Wieder kürzen. Wiederholen. Whiskey trinken, weinen. Weiter schreiben.

Alle Website-Designs von mir sind inklusive Text. Deswegen weise ich wesentlich mehr Stunden in meinen Rechnungen auf. Meine Designs sind keine Templates und ich habe noch nie ein Lorem Ipsum in einen Textkasten eingefügt. Die erste Frage bei einem Textkasten für mich ist immer, was genau steht drin? Ich liefere nur fertige Verkaufsseiten.

Mit Schreibzielen in Ulysses kann ich einem Dokument die Mindestanzahl an Wörtern zuordnen. Funktioniert in beide Richtungen gut: wenn ich mehr schreiben oder mich kürzer fassen muss.

Schreibziel bei Ulysses

Ein tägliches Schreibziel ist gleichzeitig ein homöopathisches Heilmittel gegen Schreibblockaden und Projektrückstand. Mit 1000 Wörtern pro Tag werden es 30K im Monat sein — ein kleines eBook über 150 Seiten ist quasi fertig geschrieben. Mal zwölf Monate?!

Arno Schmidts Novelle «Zettels Traum» hat ca. 1.100.000 Wörter.

Eine. Million. Und Einhunderttausend. Wörter.

Herr der Ringe hat an die 500.000 Wörter. Diese Mengen wirken erschreckend, sind aber das Resultat einer Schreibroutine. Hemingway führte eine Liste mit täglichen Schreibzahlen. 1.000.000 Wörter sind 1000 Tage á 1000 Wörter. Gerade mal 3 Jahre fleißig schreiben. Was ich schon alles vergeigt habe in 3 Jahren… genauso gut hätte ich Schmidt oder King werden können.

Schreibstatistik für ein Ordner in Ulysses

Wo war ich? Ach ja – Per Rechtsklick auf einem Ordner oder Filter lassen sich Statistiken für Texte anzeigen. So könnt ihr sehen, wieviel Text ihr bereits geschrieben habt. Vergleicht eure Zahlen mit Schmidts Millionundhunderttausend und setzt euch mal ein Schreibziel :)

Statistiken lassen sich nicht nur für eine Datei anzeigen, sondern für ganze Ordner. Praktisch, wenn ihr ein Schreibziel für euer Buch oder Novelle habt.

Mit Schreibzielen erwartet euch schon bald ein umgekehrtes Problem: Ihr werdet zu viele Texte haben. Ga-ran-tiert.

Für bessere Navigation durchs Wortgewässer sind Tags von großer Hilfe.

Tags

Ich habe viel zu lange gebraucht, um Tags zu verstehen. Alle setzten diese Hashtags und taggen ihre Blogposts exsessiv

#wtf #internet #ftw

Jedenfalls komme ich ohne gar nicht mehr zurecht.

Ulysses bietet Filter an, die ähnlich wie «Intelligente Ordner» im Finder funktionieren. Für zwei Tags — «cache» und «fertig» — sind jeweils ein Filter bei mir angelegt:

In Cache sind alle Texte, an denen ich aktiv arbeite und welche demnächst fertig werden sollten.

Während der Arbeit passiert es oft, dass ich zu anderen Dokumenten umspringe und dort Notizen oder Passagen aufschreibe. Danach würde ich am liebsten wie im Browser ein paar mal auf «Zurück» klicken und wieder in meinem Haupttext landen. In Cache habe ich sofort den aktuellen Text und sehe dazu, welche weiteren Texte in der Warteschlange sind.

Letzte 7 Tage

Eine andere Möglichkeit, zum aktuellen Text zurückzukehren wenn ihr gerade in anderen Schrifthaufen gewühlt habt, ist «Letzte 7 Tage» oder «Geöffnete Dateien» in der Ordner-Ansicht anzuklicken

Oben in der Liste ist das Blatt, an dem ihr gerade gearbeitet habt. Die Reihenfolge ist wie euer Zurück-Button.

Mein zweiter Filter Fertig ist dafür da, wenn etwas aus den «Reserven» gepostet werden soll. Ein kleiner Puffer an fertigen Texten sorgt für eine unterbrechungsfreie Webpost-Quote, vor allem wenn gerade keine Zeit für die Verfassung neuer Beiträge da ist.

Die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden.

Notizen, Bilder und Annotationen

Genau das, was ich kläglich vermisst habe bei Write Pro. Entweder sind die Apps zu minimalistisch und revolutionär, oder zu überladen mit Features und Barrock im Erscheinungsbild a la Microsoft Word. Warum nicht die goldene Mitte?

Eine Anmerkung direkt zu einem Satz oder Passage hinterlassen? Zack, einfügen:

Anmerkung bei Ulysses

Notizen beim Schreiben machen, die nicht im Haupttext stören sollen? Eine Notizliste pro Dokument; reicht völlig aus:

Dokumentnotizen bei Ulysses

Bilder für den Beitrag sammeln und an die richtige Stelle im Text einfügen? Geht klar und stört beim Schreiben nicht den Textfluss:

Bilder in Ulysses

Diese Idee, Bilder in die Texte zu integrieren ist simpel und genial. Nicht mehr durch Ordner stöbern, sondern schön das ganze Bildmaterial in der Nähe des Textes halten. Mag ich sehr.

Mit Text im Mittelpunkt fällt die Schreibarbeit wesentlich leichter. Die kleinen Details machen es aus und bieten Vorteile, die andere simple Editoren wie Sublime Text, Textmate oder TextEdit nicht bieten: Bild- und Notizspeicher für jedes Dokument, erweiterter Markup und feinabgestimmtes Schreiberlebnis.

Erscheinungskalender

Die Filter-Funktion zusammen mit Tags kann sehr effektiv für die Erscheinungsplanung genutzt werden, wenn ihr regelmäßig Blog-Beiträge veröffentlichen wollt. Ich erkläre kurz.

Als ich über Tags gesprochen habe, habe ich zwei Filter die ich nutze beschrieben: Cache und Fertig.

Ich habe noch einen Filter Erscheinungskalender, der alle Dokumente mit Schlagwörtern «diese Woche», «nächste Woche» und «nächsten Monat» enthält:

Erscheinungskalender

Fertig ist die Publishing-Pipeline.

Die Umverteilung passiert durch Ersatz der Schlüsselwörter: Je nach Situation wird «nächste Woche» zum «nächsten Monat» und vice versa.

Dieser Ablauf ist besonders praktisch, wenn ihr für mehrere Projekte gleichzeitig schreibt. In der Praxis wird ein Projekt schnell vernachlässigt, wenn nicht alle Texte über die kommenden 3–4 Wochen verteilt sind.

Diese Form ist auch optimal, wenn ihr wie ich schlimme Vor-sich-her-Schieber und PRO-krastinatoren seid.

Oft klappt es nicht mit den Erscheinungsterminen, was bei meiner Form kein Problem ist. Diese Woche bleibt diese Woche und nächste Woche wird die nächsten drei Monate «nächste Woche» bleiben, solange ich nicht die Tags ändere. Damit wandert mein Kalender automatisch mit, wenn ich die Termine nicht einhalten kann.

Die Koordination und Planung meiner Erscheinungen? Check.

Publish that shit: Exportfunktionen

Nachdem das Manuskript fertig ist, hast du mit Ulysses alle gängigen Exportmöglichkeiten:

  • Plaintext Vorsicht: gesamter Markup und alle Bilder, Annotationen und Fußnoten werden dabei entfernt. Dafür habt ihr eine niedliche und saubere Textdatei.
  • RTF Rich Text Format behält Links, Formatierung, Fußnoten und Bilder. Kann z.B. für Import in InDesign genutzt werden, falls ihr den Text anschließend etwas umfangreicher layouten wollt.
  • HTML Nach Stilfestlegung (mit Helvetica Neue oder Georgia als Schrift) wird eine HTML-Seite generiert. Sehr praktisch, wenn ihr z.B. HTML-Emails vorbereiten wollt.
  • ePUB Mit Stilauswahl und Einband-Grafik. Ein fertiges und standardkonformes ePUB wird generiert, mit allen Fußnoten, Links, Bildern und hübscher Formatierung. Das Endergebnis kann verkauft werden.
  • PDF Mit Stilvorlagen und großer Auswahl an Papierformaten. Falls ihr ein gedrucktes Buch plant, könnt ihr in zwei Klicks mit dem Layout fertig sein. Sehr praktisch, wenn ein Buch ohne Layout-Aufwand getestet werden soll.

Das Ganze kann sofort per Nachricht/Mail/Copy-Paste geteilt bzw. in der passenden App geöffnet werden.

Text gelöscht? Kein Problem.

Ich liebe das Löschen. Ich weiss nicht wieso. Ich putze und lösche und halte meine Ordner sauber. Auch den ein oder anderen Text habe ich natürlich schon mal gelöscht. Neulich habe ich sogar in Ulysses alle Ordner und Texte in iCloud gelöscht (yep, ich weiss).

Ulysses hat an mich gedacht. GottundSchivaseidank.

Wenn ihr Dateien vermisst, schaut zuerst im Papierkorb von Ulysses. Dort ist normalerweise alles drin:

Papierkorb von Ulysses

Wenn nicht, gibt es noch die TimeMachine-Backups. Wiederherstellen von Texten (mit allen Anhängen, Bildern, Notizen und dem ganzen Rest) in Ulysses ist auch dann möglich, wenn das Papierkorb geleert wurde.

Wiederherstellen von Ulysses-Dokumenten in 3 Schritten

  1. Sicherstellen, das Ulysses nicht läuft. Die App schließen also.

  2. Folgenden Ordner im Finder öffnen:

~/Library/Mobile Documents/X5AZV975AG~com~soulmen~ulysses3/Documents

⇧⌘G (shift-command-G) im Finder drücken und den Pfad einsetzten.

  1. TimeMachine in diesem Ordner starten und anschließend die fehlende Datei/Dateien/Ordner wiederherstellen. Da die Dateien kryptisch heissen, nutzt QuickView, um festzustellen, um welche Texte es sich jeweils  handelt.

Zum mitnehmen bitte

Fassen wir kurz zusammen, wozu die feine App Ulysses gut ist:

  • Ablenkungsfreies Schreiben und fast unsichtbares Interface
  • Schreibziele und Textstatistiken (Lesezeit und Zeichenanzahl) für gezielteres Schreiben
  • Erweiterter Markup zum Einfügen von Anhängen, Bildern, Notizen, Fußnoten und Annotationen (Markdown XL) für bequemere Organisation von Textmaterial
  • Tags und Filter für bessere Organisation von großen Dokumentenmengen.

Ein besonderer Tipp ist der Feedback-Support von Ulysses. Bei Fragen oder Problemen kann ich den Kontakt mit der Mannschaft sehr empfehlen. Es sind super-nette, hilfsbereite und lustige Leute.

Falls ihr Probleme mit überladenen Interfaces habt, gezielter schreiben und nicht auf Cloud-Synchro verzichten wollt, probiert Ulysses bei Gelegenheit aus. Die App gibt es auf dem Mac und iPad (separat zu kaufen) für wenig Geld und viel Bäng. Damit ihr auch auf dem Tablet nicht auf ein schönes Schreibprogramm verzichten braucht.