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In der Sowjetunion gab es kein Weihnachten, weil Jesus eindeutig nicht zur Kommunistischen Partei gehörte. Nicht nur Jesus, sondern auch Gott und der Heilige Geist, zusammen mit allen kirchlichen Repräsentanten. Es war Lenin oder Himmel.

Das Geburtstagskind mit zweifelhafter Zugehörigkeit zur russischen Geschichte wurde von der Familienfeier ohne Erklärung oder Zucken gestrichen. Ist aber nicht schlimm, denn die Russen feiern das Neujahr auch so 10 Tage lang.1

Eine der Traditionen ist, sich in der Neujahrsnacht etwas zu wünschen. Der Wunsch gehe in Erfüllung, wenn er in Gedanken während des Kreml-Läutens vollständig ausformuliert werde. Mich irritiert Putins kritisch-herabschauender Blick dabei. Der Druck, etwas unbedeutendes zu wünschen lastet schwer auf den Schultern. Ich meine, schau auf das Bild und versuche dabei, dir etwas zu wünschen:

Wie kannst du dir etwas anderes wünschen, außer dieses Gesicht nächstes Jahr bei der Ansprache wieder zu sehen?!

Schnelldenker können sich theoretisch nen Sack voll wünschen. Das Ganze wird niemandem erzählt, damit es auch ja aufgeht.

Es gibt weitere Schwierigkeitsstufen. Laut Einer muss der Wunsch auf dem Zettel geschrieben, über dem Champagner-Glas verbrannt und anschließend die Asche aus dem Glas geext werden. 

Dann geht garantiert alles in Erfüllung…

Warte, was?

Noch mal. Die Voraussetzungen dieser russischen Vorgehensart:

  • Wunsch im Kopf ausformulieren
  • Wenn aufschreiben, dann sofort verbrennen
  • Wunsch mit einem kräftigen Schluck Krimer Champus runterspülen
  • niemandem davon erzählen

Was ist die Idee dahinter?

Etwas, was du in 30 Sekunden ausformulieren kannst, ist entweder völlig unrealistisch oder ausreichend genau, um schaffbar zu sein.

Natürlich konnte ich mich am Ende des Jahres weder an die Wünsche erinnern noch vernünftig neue finden. Aber heißt es, dass all meine Wünsche unrealistisch sind?

wunschspektrum

Das Ziel fürs nächste Jahr sollte am besten nicht 2 Jahrzehnte andauern. Klingt offensichtlich und trotzdem sind die beliebtesten Jahresvorsätze auf dem gleichen Mist gewachsen: Gewicht verlieren, nicht mehr Rauchen, gesündere Ernährung und kein Stress… ernsthaft?!

Ein einziges Ziel finde ich zu hardcore. Wenn ich das Ziel nicht erreiche, fühlt es sich wie Versagen an. Zu viele Ziele sind zu verstreut. Es besteht die Gefahr, sich im Endeffekt um alles und nichts zu kümmern. Wie kannst du dein Maß optimal bestimmen? Wie sorgst du für Ausgeglichenheit und das Gefühl der Erfüllung?

Relativ einfach. Das erste, was wir nicht tun, ist die gleichen Vorsätze wie immer zu machen.

Ziel beschreiben

Zum Zielen brauchen wir eine Scheibe.

zielscheibe

Diese Scheibe repräsentiert einen Lebensbereich: Arbeit/Familie/Sport/Karriere/Was-auch-immer. Es gibt kein Ja oder Nein, sondern ein mehr oder weniger genaues Treffen. Du willst Gewicht verlieren? Was wäre der Volltreffer? 10 Kilo? 20 Kil0? 5?

Stelle dir so viele Scheiben vor, wie wichtige Lebensbereiche dir einfallen. Was willst du privat und was geschäftlich erreichen? Aus diesen Bereichen pickst du die wichtigsten 2-3 raus.

 

zielscheiben

 

Für jede Zielscheibe wird ein Volltreffer formuliert und auf folgende 5 Eigenschaften abgeklopft:

  1. Wurde ein messbares, quantitatives Ergebnis formuliert? Ein messbares Ergebnis besteht aus einer Zahl. «Mehr verdienen» liefert kein messbares Ziel, während «20% mehr verdienen als im Vorjahr» eine absolute Zahl definiert, welche die Erfolgsbewertung am Ende kinderleicht macht.
  2. Ist das Ziel genug eingeschränkt? «Mehr Bücher lesen» oder «besser kochen» ist schwer auszuführen — was wäre der erste Schritt? «5 Geschichtsbücher lesen» oder «Jeden Monat eine neue Suppe kochen» ergibt einen klaren Rahmen, bei dem einzelne Schritte sehr konkret sind.
  3. Ist eine Deadline bzw. Sequenz festgelegt? Ein Ziel ohne Deadline ist ein Wunsch ohne Absichtserklärung. Ohne Deadlines gibt es keine Prioritäten. Und ohne Prioritäten gibt es keine Dringlichkeit, dieses Ziel in absehbarer Zeit zu erreichen. Die Deadline muss nicht immer „in einem Jahr“ sein. Stattdessen können monatliche, viertel- oder halbjährliche Meilensteine festgelegt werden. Je kürzer die Dauer, umso schärfer der Fokus.
  4. Ist die Belohnung für das Erreichen des Ziels bestimmt worden? Die Belohnung antwortet auf die Frage, wofür du das Ziel erreichen willst. Auf Dauer ist ohne Belohnung beliebiges Vorhaben schwer zu motivieren.
  5. Ist die Formulierung positiv? Der Mensch ist extrem anfällig für die Verlustaversion: alles, was wir aufgeben wollen, erscheint wertvoller zu sein als es tatsächlich ist. Deswegen funktioniert Rückgabe-Option so gut und QVC  Deswegen ist es immer leichter etwas anzufangen, als mit etwas aufzuhören.2

Nachdem die Ziele formuliert sind, bleibt nur noch die Frage, wieviele von denen du dir zutraust (Offensichtlicher Spoiler: durchschnittlich schafft man die Hälfte von dem, was man sich zutraut).

Anzahl der Ziele bestimmen

Ein Zen-Minimalist würde behaupten ein Ziel sei genug. Andere nehmen sich gleich ein neues Business pro Monat vor. Dritte teilen Ziele auf wichtige Lebensbereiche auf. Was ist denn jetzt am sinnvollsten?

Sinnvoll ist, was für dich gut funktioniert. Bist du eine Laser-Fokus-Schnitte oder eher ein Jack-Of-All-Trades? Wieviele Bereiche hast du im ersten Schritt gemalt und wie wichtig sind dir diese Ziele?

Es mag so aussehen:

zenziel

Ist es noch ein Ziel, oder zwei?

Andere brauchen eine Absicherung gegen das binäre gescheitert-gewonnen am Ende des Jahres und setzen mehrere Ziele:

viele Ziele

 

Meine Bereiche sind privat, geschäftlich und lernen. Es sind nicht mal 3 Adjektive. Frag mich nicht. Für mich funktioniert’s. Es sieht im Endeffekt eher so aus:

KM-Blog - 63

Damit habe ich Ziele, die entweder klar nach Bereichen getrennt sind oder jene, die sich in den Überschneidungen dieser Bereiche befinden.

Die Message ist: Teile so auf, dass es für dich Sinn ergibt und sich komfortabel anfüllt. Hauptsache du wirst nicht überrumpelt von eigener Leistungsbereitschaft.

Die Todo-Liste

Jetzt die Ziele auf ein sauberes Blatt übertragen und nicht verbrennen, wegschmeißen oder schlucken. Damit kann die Erinnerung zumindest jederzeit erfrischt werden.

Nachdem die Liste fertig ist, lohnt es sich alle Ziele zu priorisieren. Die unwichtigeren Ziele sind Kürzungskandidaten. Ist eine Handvoll Ziele auf der Liste, können die weniger wichtigen Ziele ausgeklammert und zum Bonusprogramm erklärt werden (ich persönlich erfülle mein Bonusprogramm so gut wie gar nicht).

Und dann? Dann hast du definitiv über 0% geschafft, was ein besseres Ergebnis ist, als bei allen, die sich jedes Jahr das Gleiche vornehmen :-)

Ich halte es für wichtig, alle paar Monate die Liste durchzugehen. Deswegen ist meine Liste im großen Moleskine, welches mich ständig begleitet. Um sich einerseits daran zu erinnern, was ich ursprünglich vorhatte und andererseits um festzustellen, ob aktuelle Prioritäten und Projekte im Einklang mit der Liste sind.

Das Wichtigste ist, die Ziele auf Papier aufzuschreiben (und nicht in Notizen auf dem Smartphone) und dann sie hin und wieder durchzugehen, um Eigenverantwortung auf Trapp zu halten. 

Zieh den Scheiß durch. Aber mit Stil.

Bleib echt.

Guten Rutsch und viel Erfolg im neuen Jahr!