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Aus der Arbeitslosigkeit zu gründen ist eine großartige Chance. Wer gekündigt wurde oder aus betriebsbedingten Gründen gegangen ist, kann sich als Gründer ausprobieren und dabei gefördert werden.

Der Staat unterstützt Mut und Initiative und finanziert den Schritt zur Selbständigkeit für mindestens 6 Monate. Vorausgesetzt, du bereitest dich gut vor und kannst schlüssig darlegen, wie deine Geschäftsidee wirtschaftlich sein kann.

Wirtschaftliche Geschäftsidee finden

Noch bevor du den Antrag stellst, sogar bevor du die Unterlagen dafür im Arbeitsamt bekommst, sollte eine Geschäftsidee geprüft werden. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass erfolgreiche Ideen erst nach 2, 3 oder 5 Jahren Gewinn bringen können. Es wird davon gesprochen, dass etwas erst mal „laufen“ soll.

Eine wirtschaftliche Idee ist jene, die von Anfang an läuft und Geld bringt. Selbst wenn nicht viel und nicht schnell.

Als ich in meinen Beratergespräch rein gegangen bin, wusste ich nicht mal von der Möglichkeit eines Gründungszuschusses. Wir haben über meine Arbeitslaufbahn gesprochen, was ich dabei gelernt habe und wie es in meiner Vorstellung weitergehen soll.

Meine Frage war, ob ich in der Arbeitslosigkeit gründen dürfe und wie?

(Ich hatte es eigentlich schon eingeleitet und wusste nicht, ob der Staat mich dafür steuerlich fressen würde am Ende des Jahres.)

Ich hatte ein paar private Aufträge am laufen (da ist es, dieses Laufen). Mittlere Projekte, hauptsächlich Integration von Projektmanagement-Lösungen und -Abläufen. Dazu paar Programmier-Jobs und Websites. Eigentlich habe ich noch eine Idee für eine iPhone-App, aber dies wäre langfristiger und aufwendiger.

„Wie soll ich eigentlich Rechnungen ausstellen?“ – fragte ich.

„Junger Mann, beantworten sie mir diese Frage: möchten Sie von der Agentur für Arbeit gefördert werden?“ — fragte der Berater mit einem Augenzwinkern.

Ich habe diese Geste nicht verstanden. „Möchte ich?“ — antwortete ich mit einer Gegenfrage (meine jüdischen Wurzeln ergreifen oft die Oberhand).

Es stellte sich heraus, es gibt da den Gründungszuschuss. Für ein halbes Jahr bekomme man monatliche Beiträge in voller höher des ALG-I (Arbeitslosengeld I) plus zusätzliche 300€. Steuerfrei und ohne Rückzahlung. Ouuuhkaaay.

„Warum nicht“ — dachte ich. Schließlich klärte es meine Fragen zur Gründungsform und Rechnungslegung.

Das Allerwichtigste — eine wirtschaftliche Geschäftsidee — hatte ich schon in der Tasche. Es war nichts neues, nichts aussergewöhnliches und nichts kompliziertes. Das einzig besondere an meinem Geschäft: ich arbeite im zweisprachigen Raum. Meine Auftraggeber sind meistens russischsprachig. Oder umgekehrt, sie sind deutsch, aber mit einer russischsprachigen Zielgruppe.

Was darauf folgte, war ein recht steiniger, fehlerbehafteter Weg. Praktisch bei jedem Schritt habe ich entweder etwas falsch gemacht, oder  Zeit bzw. Geld verloren. Besonders viel habe ich mich über das magere Angebot speziell zu diesem Thema geärgert.

Wäre doch schön, hätte sich jemand mit dem Thema ausgiebig auseinandergesetzt und gründlich alle Stationen beschrieben. Jetzt habe ich diese Arbeit selbst geleistet und teile es gern mit dir.

Schritt 1: Erst Fundament, dann Unternehmen

Ich habe den Fehler gemacht und eine Firma gegründet, bevor ich den Antrag auf Gründungszuschuss abgegeben habe. Schön doof.

Dein Unternehmen bzw. Selbständigkeit wird nur gefördert, wenn sie nach der Genehmigung des Zuschusses anfängt. Jedes Gewerbe und Unternehmen, dass du vor dem Antrag anmeldest, ist somit nicht Zulässig für den Gründungszuschuss.

Es ist auch tatsächlich zweitrangig, das Unternehmen zu gründen und anzumelden. Das Unternehmen soll was unternehmen. Kümmere dich erst um die Aufträge, dann um offizielle Anmeldungen.

Es gibt genug zu tun für den Gründungszuschuss:

Geschäftsidee prüfen

Wie schon erwähnt, hängt die Genehmigung hauptsächlich davon ab, ob deine Idee bodenständig ist. Je allgemeiner und grandioser du beschreibst (ich werde das nächste Facebook bauen!), umso schlechter sieht es für dich aus. Je genauer und schmaler du deine Nische bestimmst, umso wahrscheinlicher hast du die Genehmigung.

Geschäftskonzept schreiben

Mit geprüfter Geschäftsidee schreibst du das Konzept. Marktanalyse, Konkurrenzanalyse, Preisanalyse, Kundenfindung, Marketingstrategie. Du musst dir im Klaren sein, was du tust, für wen und wie du dein Produkt verkaufen wirst. Leute rennen nicht auf dich zu, nur weil du die nächste App oder das nächste Buch geschrieben hast!

Ist deine Idee so originell, dass es keine Konkurrenz gibt? Glückwunsch, du hast die falsche Idee! Ein größeres Risiko kannst du dir gar nicht aussuchen. Es dauert sehr lange, einen Markt (sprich, Nachfrage) für eine Dienstleistung aufzubauen. Es geht sehr schnell, in bereits vorhandenen Märkten eine besondere Nische zu besetzen. Dein Produkt braucht nicht komplett neu zu sein, es braucht lediglich eine Zusatzbesonderheit aufzuweisen. Vor allem brauchst du eine geprüfte Nachfrage.

Businessplan schreiben

Nach deinen Recherchen übersetzt du deinen Annahmen und Strategien in Zahlen. Was sind deine Privatausgaben und Geschäftsausgaben? Was kostet dich die Herstellung und Betrieb? Wieviel musst du einnehmen und wie schnell? Wieviel Geldpuffer brauchst du?

Im Businessplan spiegelt sich dein Bezug zu Geld und Zeit als Ressourcen. Kannst du realistisch Aufwand und Kosten einschätzen? Kannst du vor allem realistisch Verkaufsentwicklung planen? Gibt es einen Bezug zu von dir entwickelter Marketingstrategie? Oder steht bei den Einnahmen einfach so viel, dass die Ausgaben gedeckt sind?

Es ist sehr wichtig, einen Plan mit Verkaufszielen zu haben. In welchen Monaten wirst du wie viele Verkäufe machen und wie? (Das Wie sollte in deinem Geschäftskonzept beantwortet sein.)

Lebenslauf schreiben

Deine Kompetenzen werden durch bisherige Laufbahn verstärkt. Das heisst Zeugnisse bisheriger Arbeitgeber holen, falls du sie noch nicht hast und einen einleuchtenden Lebenslauf schreiben. Eigentlich nichts schweres, nur bitte nicht vom „sicheren Umgang mit MS Office und Outlook Express“ schreiben. Ein Schüler beherrscht heutzutage sämtliche Klischees klassischer Lebensläufe.

Eventuell doch an einem Gründungsseminar teilnehmen

Wenn du vom Berater aufgefordert wurdest — sprich, eine Nachweisanforderung ist in deinem Formular angekreuzt — musst du wohl an einem Gründungsseminar doch teilnehmen. TIPP: suche den schnellsten, günstigsten Anbieter aus. Die Inhalte sind meist längst überholt oder auf Schulniveau. Mit Internet und gesundem Verstand findest du das Wichtigste selber heraus.

Hey, du liest schließlich diesen Artikel durch. Das ist schon mal vielfache Beschleunigung.

Einschätzung einer fachkundigen Stelle holen

Hast du alle Unterlagen fertig, so muss eine fachkundige Stelle dein Geschäftskonzept und Businessplan professionell beurteilen. Hast du Chancen und Risiken gesund eingeschätzt? Gibt es Absicherungen in deinem Konzept, die das Scheitern vermeiden und Verluste reduzieren? Sind die Zahlen im Businessplan himmelblau optimistisch? Oder zeigen sie Nüchternheit und dein Vermögen, Zeit und Geld realistisch einzuschätzen?

Vor allem das eigene Absichern sollte von dir gründlich durchgearbeitet sein. Wenn du ein neues Produkt entwickelst, solltest du dich von eventuellem Scheitern absichern. Kannst du weitere Dienstleistungen kurzfristig anbieten? Designen, Programmieren, Schreiben, Zeichnen. Etwas, was du bereits für die Produktentwicklung tust.

Es wird nicht nur deine Fähigkeiten weiter ausbauen, sondern zusätzlich vor möglichem Bankrott schützen.

Schritt 2: Steuerberater, Notare, Anwälte

Gibt es eine positive Rückmeldung der fachkundigen Stelle, ist dein Nachweiskatalog vollständig. Das letzte Dokument, was es beizufügen gilt, ist die Gewerbeanmeldung. Dafür empfiehlt sich ein Termin beim Steuerberater.

Steuerberater wird eine besonders wichtige Instanz für dich sein, daher solltest du dir Zeit für die Suche lassen. Ein guter Steuerberater ist wie ein zuverlässiger Zahnarzt: unentbehrlich. Du willst nicht deine Finanzen in sicheren Händen haben.

Gutes Auswahlkriterium ist die Freundlichkeit und Offenheit des Beraters. Hat er dir sofort die Übersicht seiner Kosten gegeben, oder ist dafür schon mal ein Termin nötig? Ein weiteres sicheres Kriterium: unverbindliche und kostenlose Beratung zum Thema Gründungsform. Wenn dein Steuerberater dir hierzu alles erzählt ohne dafür zu kassieren, ist es schon mal ein gutes Zeichen. Wenn er dir kostenlos die Anmeldung beim Finanzamt anbietet, hast du gewonnen.

Solltest du dich für eine Firmengründung entschieden haben, lässt sich der Notar nicht vermeiden. Alle Firmen müssen notariell beglaubigt werden. Die Prozedur ist kurz und schmerzlos, die Dienstleistung tarifiert. Kurzes googlen sollte hinreichend sein. Eine telefonische oder schriftliche Auskunft über Kosten der Anmeldung ist ein gutes Zeichen für den richtigen Notar.

Gleichzeitig brauchst du ein Geschäftskonto, wenn du eine Firma gründest. Bei privater Selbständigkeit dagegen nicht: es reicht dein Privatkonto. Alle Geschäftsausgaben müssen in diesem Fall von den Privatausgaben in deiner Buchhaltungsanwendung per Hand getrennt werden.

Schließlich brauchst du noch einen Termin beim Stadtamt, um dein Gewerbe anzumelden. Dieses Verfahren dauert 20 Minuten und kostet ca. 30 €. Mit einem Stempel auf dem Anmeldeformular bist du mit allen Unterlagen durch.

Schritt 3: Loslegen, verkaufen

Alle Unterlagen ausdrucken, zusammenheften und an den Arbeitsamt bringen. Statt nervös auf die Antwort zu warten am besten sofort loslegen. Marketing ist das wichtigste und entscheidende Instrument in deinem Arsenal. Davon kann nicht zu genug gemacht werden. Fange also an, sofort dein Produkt zu vermarkten. Suche die Trefforte deiner Zielgruppe: auf welchen Sites und Blogs tummeln sie sich herum? Welche Facebook- und Google-Gruppen gibt es zu deinem Thema?

Das Produkt ist noch gar nicht fertig? Das ist überhaupt kein Problem! Prüfe, ob die Nachfrage seriös ist. Wenn du ein wichtiges Problem für deine potenziellen Kunden lösen kannst, wirst du bezahlt, auch wenn es noch nicht fertig ist. Im Gegenzug zu einem fertigen Produkt, von dem keiner weiss oder — noch schlimmer — welches doch kein akutes Problem löst.

Noch eine Sache…

Es ist natürlich sehr knappe Beschreibung dessen, was es zu tun gibt. Was macht einen guten Businessplan aus? Wie wird das Geschäftskonzept richtig geschrieben? Wie generierst du mögliche Geschäftsideen?

Zu jedem Schritt und Meilenstein kann viel mehr gesagt werden, als im Rahmen eines Blog-Beitrags. Daher empfehle ich mein Handbuch zum Gründungszuschuss. Es ist ein genauer Leitfaden, mit allen Vorlagen, die du für die Beantragung brauchst. Vom Businessplan bis E-Mail-Anschreiben ist alles dabei, damit du in kürzester Zeit erfolgreich gründest.