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UG? GmbH? GbR? Oder doch Einzelunternehmen? Welche juristische Form wird tatsächlich benötigt, um euer Start-Up schnell voranzubringen?

Die Entscheidung ist eigentlich ganz einfach. Es hängt vom erwarteten Umsatz und der Risikoabschätzung ab. Die Frage des Umsatzes spielt dabei eine maßgebliche Rolle und ist sehr simpel:

«Werde ich mehr als 100.000€ im ersten Geschäftsjahr erwirtschaften?»

Frischer Gründer: vielleicht nicht so ein Arsch, aber mindestens so reich (ok, vielleicht nicht im ersten Jahr)

Frischer Gründer: vielleicht nicht so ein Arsch, aber mindestens so reich (ok, vielleicht nicht im ersten Jahr)

Ist diese Frage mit ja zu beantworten, so ist die Gründungsform klar: Kapitalgesellschaft, also UG oder, wenn ein Startkapital von mindestens 12.500€ vorhanden ist, eine GmbH.

In  Wirklichkeit malt man sich das erste Jahr gern blumiger aus, ich weiß. Und es wird sicher viele Angestellte und ein Marketingbudget geben.

8.500€ Umsatz im Monat. Erst dann hat eine UG oder GmbH wirtschaftliche Vorteile.

Was unterscheidet eine Firma von Einzelunternehmen, wie verschieden sind die Abgaben und Betriebskosten? Welche Besonderheiten müssen bedacht werden? Was kostet die UG und die Selbständigkeit (aka Einzelunternehmen) im Vergleich?

In diesem Post fasse ich zusammen, was die Gründung einer UG und Einzelunternehmens kosten wird, welche Konsequenzen und weitere Ausgaben sich ergeben und wie die Eigenhaftung davon betroffen wird.

Dauer der Gründung

Sprechen wir erst über die Dauer: Wie schnell kann es gehen?

Ein Einzelunternehmen (a.k.a. Selbständigkeit) ist simpel und billig. Stell dir einen Geradenabschnitt vor, an einem Ende steht Einzelunternehmen und am anderen die Aktiengesellschaft (AG). Das ist die Spanne von günstig und schnell zu teuer und langsam.

Gründungsspanne

Die Gründung des Einzelunternehmens ist in 4 Schritten erledigt:

  1. Das Formular der Gewerbeanmeldung ausfüllen
  2. Termin im Gewerbeamt vereinbaren (Ausweis zum Termin mitnehmen!)
  3. Anmeldegebühr bezahlen
  4. Eine Steuernummer beim Finanzamt beantragen

Keine jährlichen Gebühren. Keine Mitgliedschaft in der Handelskammer (keine zwingende, sondern eine freiwillige). Die Kosten des Einzelunternehmens sind überschaubar, die Gründung selbst in der Regel in 1–2 Wochen durch. Warum so blumig?

Für alle Folgen der Geschäftstätigkeit wird in vollem Umfang persönlich gehaftet. Alles, wofür die Versicherung nicht einspringt, wird aus Eigenkapital bezahlt.

Dagegen ist die Gründung einer UG1 wesentlich aufwendiger:

  1. Termin mit Anwalt: Gründungsprotokoll abstimmen (Nutzung eines Musterprotokolls kann diesen Schritt vereinfachen)
  2. Termin mit Notar: Gründung notariell beglaubigen. Der Notar meldet das Unternehmen anschließend beim Handelsregister an
  3. Termin im Gewerbeamt: mit Pass, ausgefülltem Formular für Gewerbeanmeldung und 15 bis 60€ vortreten
  4. Steuerberater: die Anmeldung beim Finanzamt durchführen lassen
  5. Bei der gesetzlichen Unfallversicherung anmelden
  6. Geschäftskonto eröffnen und Stammkapital einzahlen
  7. Anmeldungsgebühren begleichen
  8. Eine Betriebsnummer beim Arbeitsamt beantragen (hey, endlich mal was kostenloses!)

Aufgrund zahlreicher Termine und Behördengänge (Finanzamt, Gewerbeamt und Handelsregister) wird die Gründung einer UG zwischen 4 und 6 Wochen dauern. Die Hälfte davon wird für Termine selbst draufgehen, die andere Hälfte für Wartezeiten auf Rückmeldungen.

Kosten der Gründung als Einzelunternehmen

Gründungskosten für Einzelunternehmer liegen bei etwa 60 bis 180€. Alles beim Gewerbeamt begleichen, das war’s. Es gibt keine weiteren Gründungskosten.

Jährlich muss eine Gewinnermittlung und Steuererklärung gemacht werden, die vom Steuerberater für ca. 400€ vorbereitet werden. Der Preis enthält meist auch die private Steuererklärung, die im Falle einer UG zusätzlich berechnet wird.

Ein Bonus für Einzelunternehmer: sie sind bei der Sozialversicherungsanstalt pflichtversichert, welche die Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung umfasst2.

Zusätzlich zu der monatlichen Umsatzsteuer-Vorauszahlung (19% aus den ausgestellten Rechnungen) sind die Einkommenssteuer-Vorauszahlungen zu leisten. Der Einkommenssteuersatz beträgt zwischen 0% und 50% vom Jahreseinkommen. Diese Kosten sind sozusagen jährliche Betriebskosten, ähnlich wie die Gewerbe- und Körperschaftssteuer bei einer UG/GmbH3.

Angenommen, ich würde als Selbständiger das erste Jahr mit 45.000€ Umsatz abschließen. Daraus ergeben sich folgende Richtwerte:

  180€ Gründungskosten
+ 400€ jährliche Ausgaben (Gewinnermittlung, Steuererklärung)
= 580€

Wenn 50€ jeden Monat zurückgelegt werden, sind die Gründungs- und Abschlusskosten im ersten Jahres abgedeckt.

Wir merken uns die 580€ und vergleichen sie gleich mit den Gründungs- und Abschlusskosten einer UG.

Gründungskosten einer UG

Auch wenn es sich nicht komplizierter anhört, ist der Zeitaufwand beträchtlich höher. In einer Woche ist realistisch nicht mehr als 1 Termin wahrzunehmen. Alle Zeitjongleure schaffen vielleicht 2 Schritte in jeder Woche. Trotzdem vergeht einige Zeit, bis die Behörden sich melden.

Mit Kosten wird’s noch drastischer. Während sie sich bei Einzelunternehmen praktisch auf die Gebühr für die Gewerbeanmeldung beschränken, sind die Kosten bei einer UG-Anmeldung um ein Vielfaches höher.

In der Regel — noch bevor man über irgendwelche Einnahmen nachdenkt — ergibt sich folgende Daumenrechnung für Gründungskosten einer UG:

  1. Kostenlos bis 100€ für die Anwaltsberatung. Für die Beurteilung eines Musterprotokolls erhebt ein anständiger Anwalt keine Gebühr für die Beratung.
  2. 60 bis 80€ für notarielle Beglaubigung.
  3. ca. 120€ für die zwingende Anmeldegebühr in der Handelskammer
  4. ca. 30€ für die Eintragung im Handelsregister
  5. Gründungskapital mindestens in Höhe hier aufgezählter Kosten, weil sonst praktisch sofortige Insolvenz vorliegt.
  6. Erste Umsatzsteuer-Voranmeldung: ca. 120€

Insgesamt also bis zu 780€ an Gründungsausgaben.

Danach folgen regelmäßige Zahlungen:

  • ca. 160€ Handelskammerbeitrag jährlich
  • ca. 700€ für den Jahresabschluss
  • 150€ für die jährliche Veröffentlichung im Bundesanzeiger

Umsatz-, Gewerbe- und Körperschaftssteuer werden je nach Gewinn aus dem Gewerbebetrieb berechnet.

Wichtiger Unterschied zwischen Gewinn und Umsatz:

Jahresgewinn ist, was nach allen Steuerabgaben und Ausgaben auf dem Geschäftskonto bleibt.

Jahresumsatz ist praktisch die Summe aus ausgestellten Rechnungen. Solange der Umsatz 500.000€ unterschreitet zählen sogar nur die beglichenen Rechnungen dazu.

Alles klar? Alles klar.

Angenommen, die Geilileo UG macht die gleichen 45.000€ im ersten Jahr wie der Einzelunternehmer aus dem ersten Beispiel. Es sind ca. 3750€ im Monat an ausgestellten Rechnungen. Nach allen Ausgaben, Gehältern und Steuern wird im Jahresabschluss ein Gewinn von 5.000€ festgestellt.

Aus den 45.000€, die auf das Geilileo-Konto eingegangen sind, blieben am Ende des Jahres nach Abzug aller Ausgaben 5.000€ übrig.

Für die erste Abschätzung der Steuern reicht eine ganz simple Rechnung:

Jahresgewinn × 30% = Steuerabgaben im Jahr

Bei Jahresgewinn von 5.000€ wären es also 5000 × 30% = ca. 1500€ an Steuerabgaben.

Fassen wir kurz zusammen, was uns die Geilileo UG im ersten Jahr kosten würde:

  780€ Gründungskosten
+ 1010€ jährliche Ausgaben
(Handelskammer, Jahresabschluss, Bundesanzeiger)

+ 1500€ Steuerabgaben (Gewerbe/Körperschaftssteuer)
= 3290€

Stolzer Preis. Andererseits, ist dieser Preis verschwindend gering im Verhältnis zu 400.000€ Jahresumsatz (bei Lebensmittelhändlern sogar 600.000€). Erst diese Umsätze würden einen Einzelunternehmer zu einer Umwandlung in eine UG zwingen.

Deswegen ist die Frage nach dem eingeschätzten Umsatz im ersten Jahr so wichtig.

Dafür bietet die UG noch einen Haftungsschutz. Der Schadensersatzanspruch beschränkt sich auf mindestens 25.000€ und maximal das gesamte Firmenvermögen. Privat wird nicht gehaftet, solange nicht gröbste Fahrlässigkeit vorliegt.

Martha Stewart ging für fünf Monate in den Knast für Insider-Handel mit Aktien. Manchmal kann Wissen schädlich sein und auch eine GmbH kann nicht vor Grobfahrlässigkeit schützen

Martha Stewart ging für fünf Monate in den Knast für Insider-Handel mit Aktien. Manchmal kann Wissen schädlich sein und auch eine GmbH kann nicht vor Grobfahrlässigkeit schützen

Zusammenfassend kostet die UG im ersten Jahr um die 3300€. Dieses Geld wird nicht sofort ausgegeben, sondern über die ersten 1,5 Jahre gestreckt. Über diese Zeit müssen praktisch monatlich 190€ dazu verdient werden. Kann die Motivation für Geschäftstüchtigkeit sein. Oder unnötig Schulden erzeugen.

Verglichen mit den 50€ an Rücklagen im Falle eines Einzelunternehmens, sind die Kosten praktisch 4 mal so hoch.

Vor- und Nachteile

Ausser der Umsatzfrage gibt es natürlich weitere Faktoren. Nicht immer spielt nur die Summe eine Rolle.

Vorteile des Einzelunternehmens

  • Volle Entscheidungsfreiheit und Verfügungsgewalt über das Betriebsvermögen und die Geschäftspolitik
  • kein Mindestkapital
  • Gründung erfolgt formlos, unkompliziert und günstig
  • Gewinn steht allein dem Geschäftsinhaber zu
  • Hohes Ansehen, da der Inhaber vollumfänglich haftet → gute Verhandlungsposition gegenüber Banken und Gläubigern
  • Einfache und günstige Auflösung
  • Freiwillige Mitgliedschaft in der Handelskammer

Nachteile des Einzelunternehmens

  • Das Geschäftsrisiko liegt allein beim Inhaber des Einzelunternehmens, der mit seinem gesamten Privatvermögen haftet
  • Kapitalbeschaffung schwieriger als etwa bei einer GmbH oder AG. Bestimmte Kredite oder Investitionen stehen nur Kapitalgesellschaften zur Verfügung
  • Namensgebung ist fest vorgeschrieben und muss den Namen des Inhabers aufweisen

Vorteile einer UG/GmbH

  • Freie Wahl der Firmenbezeichnung, solange diese nicht bereits registriert ist
  • Beschränkte Haftung. Privat wird nur in Höhe des Startkapitals gehaftet (mind. 25.000€)
  • Einfacherer Nachweis des Arbeitsverhältnisses. Ein Arbeitsvertrag bzw. eine Lohnabrechnung wirkt meist eindrucksvoller, als Steuererklärungen bei Selbständigen.
  • Hohes Ansehen, da eine GmbH bzw. UG ein Startkapital und meist größere Umsätze implizieren
  • Getrennte Buchhaltung und leichtere Steuerabwicklung dadurch

Nachteile einer UG/GmbH

  • Höhere Gründungskosten und Jahresbeiträge
  • Höhere Steuerabgaben bei geringen Umsätzen. Erst ab 100.000€ Jahresumsatz ergibt es überhaupt Sinn, über eine UG nachzudenken
  • Höhere Auflösungskosten und Jahresabschlussgebühren

OK, viele Begriffe und Zahlen heute. Lass uns noch mal zusammenfassen:

Falls im ersten Jahr keine 100K umgesetzt werden, lohnt sich die UG/GmbH definitiv nicht, weil die Firma teuer wird. Dagegen ist nur das Risiko abzuwägen. Falls mit Lebensmitteln oder gefährlichen Gütern gehandelt werden soll, könnte ein Gerichtsprozess gegen das Unternehmen einen auch privat ruinieren.

Die sonstigen Umsatzabgaben und -steuern sind vergleichbar. Erst ab Umsatzhöhe im mittleren 6-stelligen Bereich ergibt eine richtige Firma (UG, GmbH) wirtschaftlich Sinn.

Alle Einzelunternehmen müssen den Vor- und Zunamen des Inhabers tragen. Nur mit einer Firma ist eine Bezeichnung mit ausgedachten Namen möglich. Wenn’s also eine Geilileo UG sein muss…

Die Gründung eines Einzelunternehmens ist wesentlich günstiger und einfacher. Wenn ein Projekt schnell ausprobiert werden soll, ist es sicherlich der richtige Weg. Im schlimmsten Fall ist die Abwicklung günstig und schnell durch. Bei einer Firma sind alle Kosten höher und es dauert alles länger. Also nichts für Schnelltests.

Das Wichtigste bei der Entscheidung ist eindeutig ehrlich mit sich selbst sein. Abschätzen, was für Umsätze möglich sind im ersten Jahr. Der scheinbar bessere Eindruck, wenn auf der Visitenkarte «Ich UG» steht ist zweitrangig. Wer Probleme von Kunden effektiv lösen kann, hat in jedem dieser Kunden eine viel bessere Visitenkarte.

Was ist denn auch wichtiger: die Reputation des eigenen Namens oder der Firma?

Fällt euch noch etwas ein? Gibt es Wege, Kosten für die UG-Gründung zu minimieren? Schreibt mir in den Kommentaren.

  1. Falls sich jemand wundert: UG wird auch Mini-GmbH genannt. Es ist wie eine Vorstufe, bei der das Startkapital von 25.000€ über längeren Zeitraum kummuliert werden darf, statt sofort eingezahlt sein zu müssen.
  2.  Die jährlichen Beiträge werden individuell berechnet, sobald der Gewinn nach der Ermittlung fest steht. Beitrag für Krankenversichrung ist bei 8,9% und für Pensionsversicherung bei 15% des Gewinns. Zum Glück stapelt es sich bis zu einer Höchstbeitragsgrenze von 47.000€. Klingt kosmisch? Bei 200.000€ Jahresgewinn wären es schon 48.000€. Dies kurz noch mal zur Überlegung, ob im ersten Jahr die 100.000€ an Gewinn zu erwirtschaften seien.
    Die Neuzugänger-Regelung soll den Einstieg vereinfachen und begrenzt den vorläufigen Mindestbeitrag der Sozialversicherung auf 587,79€.
    Also: 52,31€ in der Krankenversicherung und 88,17€ in der Rentenversicherung monatlich. Diese Beträge werden vierteljährlich bezahlt.
    Der Jahresbetrag der Unfallversicherung ist dagegen fix bei 81,37€.
  3. Zum besseren Verständnis: Umsatzsteuer ist was du aus eigenen Rechnungen an das Finanzamt abführen musst. Einkommenssteuer ergibt sich aus deinen Gewinnen als Einzelunternehmer. Diese Steuer wird also auf die Zahl berechnet, mit der du das Jahr – nach Abzug aller Ausgaben und Kosten – abschließt.