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Im ersten Teil haben wir zusammen mit unserer Protagonistin Clara gesehen, wieviel im Monat ausgegeben und welches Kapital für den Anfang benötigt wird.

Wir haben unsere privaten Ausgaben summiert und überlegt was das Business pro Monat kosten mag.

Wir haben im Kopf schon mal das Notebook oder die Schaufel gekauft und damit unsere einmaligen Kosten eingeschätzt.

Jetzt wollen wir schauen, wie wir das Geld wieder rein bekommen.

Clara, komm bitte wieder vor.

Clara die Gründerin aus der Arbeitslosigkeit

Einnahmen zusammentragen

Bevor wir uns Gedanken über den Preis machen, schauen wir erst mal, was sonst noch an Geld zusammen kommt.

Dafür stellen wir unseren «Puffer» fest oder sonstige Einkünfte, die nicht direkt mit unserer Geschäftstätigkeit zusammenhängen.

Sonstige Einkünfte

Wenn ihr lange genug überlegt, kommt ihr bestimmt auf einige Quellen für zusätzliche Einkünfte:

  • habe ich Kinder für die es Kindergeld gibt? Dies ist nicht wirklich eine Einnahme, aber wir listen ja Kinderverpflegung in unseren Privatausgaben auf, erinnert ihr euch?
  • zahle ich alleine Miete und Lebensunterhalt? Wenn Partner/Eltern/großzügiger Fremder einen Teil dazu beiträgt, wird es zu den Einkünften addiert. Vor allem, weil wir die Gesamtmiete in Ausgaben auflisten.
  • bin ich in Elternzeit oder könnte diese beanstandet werden? Kein Witz! Ich bin 8 Monate nach der Gründung in Elternzeit gegangen. Es geht, die rechtliche Lage dafür besteht und man schafft auch noch was.
  • bekomme ich Geld von (auch ehemaligen!) Verwandten oder zahlen sie für irgendwelche Versicherungen/Verträge für mich?
  • zahlt der Staat etwas für mich? Z.B. den (noch hypothetischen) Gründungszuschuss?

Clara hat den Gründungszuschuss (welcher aus zwei Teilen besteht) eingetragen. Ein Teil davon sind die 65% des vorherigen Gehalts und der zweite Teil ist ein Festbetrag von 300€:

Privateinnahmen

Nehmen wir ein frisches Blatt Papier und schreiben unsere bisherigen Einkünfte auf.

Ich hoffe bei euch ist auch einiges zusammengekommen.

Warum nehmen wir den Gründungszuschuss mit rein? Um das erste halbe Jahr genauer zu planen.

ACHTUNG: diese Einkünfte müssen nicht in der Endfassung des Businessplans stehen. Die Behörde hat es nicht zu interessieren, was eure Privateinkünfte sind. Solange sie in ihrer Höhe nicht für ein sorgloses und entsprechend zuschussfreies Leben ausreichen würden. Die Angaben lassen uns genauer berechnen, wieviel Umsatz mindestens benötigt wird.

Sonstige Einkünfte sind ein zusätzlicher Puffer. Nutzt sie, um Privatkosten zu decken und dadurch die Umsätze für den Geschäftsaufbau zu nutzen. Diese Kosten müssen nicht in der Endfassung aufgezeigt werden, helfen euch aber die Anfangsphase genauer zu planen.

Geschäftseinnahmen

Jetzt geht’s um die Wurst.

Wurst_(Bruehwurst)

Die Wurst — Jedem Die Seine. © Wikipedia

Clara ist ein schlauer Fuchs und entscheidet sich gleich für ein zweigleisiges Modell. Sie hat das Online-Ding gewittert und davon gehört, wie alle mittlerweile damit Geld verdienen, hat selber aber noch keine Erfahrung damit. Dafür hat sie tonnenweise Erfahrung mit Auftragsarbeit und Fassadengestaltung, weswegen sie diesen Part sehr genau planen kann.

Sie kennt die Materialkosten, weiß wie lange sie für einen Auftrag braucht und kennt gut die Preise in dieser Branche.

Die Absicht hinter dieser Zweigleisigkeit ist die zusätzliche Absicherung des Geschäfts. Beide Bereiche sollen sich gegenseitig stützen und schwere Zeiten überwindbar machen (die erfahrungsgemäß jeden Unternehmer erwarten).

Für Preiskalkulation und grundsätzliche Überlegungen reicht es, wenn wir ihr Brot-und-Butter-Geschäft uns anschauen — die Fassadengestaltung. Auch für das zweite (und jedes weitere) Standbein gelten gleiche Regeln und Berechnungsmodelle. Um diesen Post nicht EWIG lang zu machen, lassen wir das Online-Vorhaben aussen vor und konzentrieren uns auf das Kerngeschäft.

Produktkosten und Preis kalkulieren

Weil Clara schon vor der Kündigung ausreichend Erfahrung mit Aufträgen gesammelt hat, ist dieser Punkt ein Kinderspiel für sie. Sie geht Klinkenputzen und sammelt Aufträge. Angebot und Preisstruktur sind klar. Es wird pro Quadratmeter abgerechnet.

Preisüberlegung

Das Preismodell für diese Dienstleistung ist daher sehr einfach:

  • Sie berechnet für den Entwurf pauschal 200€ (es sind eigentlich 3 Entwürfe, von denen einer am Ende ausgewählt wird). Dieser Entwurfspreis soll Spreu vom Weizen trennen. 1
  • Den Preis für Fassadengestaltung schätzt sie fürs Erste mit 100€ pro Quadratmeter ein.
  • Anfahrtskosten werden separat berechnet mit 30 cent/km. Die Gesamtstrecke enthält beide Richtungen.
  • Anschließend werden 19% MwSt darauf gerechnet.

Verhältnismäßig einfach und überschaubar. Alle Materialkosten Latexhandschuhe(Sprühfarbe, Grundierung, Abdeckmaterial und weitere Arbeitsmittel wie Atemschutz und Latexhandschuhe, mmm… Latexhandschuhe) sind bereits im Quadratmeterpreis mit drin.

Die Kosten für den Entwurf sichern zusätzlich ab, dass die Auftraggeber seriös bleiben und nicht ewig Änderungswünsche äußern um schließlich doch abzuspringen.

Ein Auftrag von Clara lässt sich wie folgt berechnen:

Auftragsberechnung

Fast 3,5K2  pro Auftrag?! Clara müsste so durch die Gegend laufen:

Cha-ching-Clara

Doch Clara kennt ihre Kosten und weiss, dass es zu früh ist, sich maßlos zu freuen. Ihr Gesicht ist daher eher so:

Besorgte Clara

Wir schauen uns ihre Kostenstruktur an und finden heraus, wie profitabel so ein Angebot ist.

Berechnung der Produktkosten

Um die Kosten für ein beliebiges Vorhaben einzuschätzen, müssen folgende Fragen beantwortet werden:

  1. Was kostet die Herstellung (eines Produkts) bzw. Ausführung (einer Dienstleistung)?
    Welche Materialkosten gibt es?
    Was kostet die Herstellung selbst?
    Was kostet die „Personenstunde“?
  2. Was kostet die Logistik?
    Was kostet der Versand?
    Was kostet der Geldverkehr? Paypal und so alle anderen Zahlungsanbieter erheben immer eine Transaktionsgebühr vom Händler.
  3. Was nimmt mir der Staat wieder ab?
    Der Staat mag Unternehmer und beteiligt sich vielfach an den Gewinnen. Als allererstes fallen Umsatzsteuern an. In der Regel sind es 19%, die auch als MwSt bekannt sind. Diese Abgaben müssen unbedingt bedacht werden. In einer Rechnung ist in der Regel die Angabe der 19% MwSt zwingend (mit Ausnahme der Kleinunternehmerregelung).
  4. Was sind die laufenden Kosten?
    All das, was indirekt mit der Herstellung und Ausführung zu tun hat — Büromaterial, Internetanschluß, Werbung, Kundenaquisa und und und.

Die laufenden Kosten haben wir im ersten Teil der Serie schon bestimmt:

  • Büro/Arbeitsbedarf. Für Skizzen, Kundenaquisa, Datenaustausch und sonstige Arbeitsroutine entstehen auch Kosten. Um nicht jeden Cent für den Aufwand im Produkt oder Dienstleistungspreis abbilden zu müssen kann ebenso ein pauschaler Monatspreis ermittelt werden. Was kosten die Stifte und der Internetanschluß im Monat?
  • Personal. Wenn ihr Angestellte/Minijobber/Aushilfe braucht, um die Herstellung oder Ausführung zu beschleunigen, ist es leichter in Monatsbeträgen zu denken.
  • Werbungskosten. Was werden Werbemaßnahmen kosten (Flyer, AdWords, eigene Präsenz oder Webpräsenz, etc.)? Diese Kosten können nach den ersten Erfahrungen direkt in die Preiskalkulation mit einfließen. Für die vorläufige Einschätzung reicht es, wenn ein monatliches Budget bestimmt wird.
  • Gewerbe-/Gewinn-/Körperschaftssteuern (+Steuerberater). Diese Steuern werden vierteljährlich bzw. jährlich an das Finanzamt abgeführt und hängen von Betriebsgewinnen ab. Dazu muss der Steuerberater jährliche Auswertungen vorbereiten. Für die Daumenrechnung reicht es ca. 10% aus dem Monatsumsatz beiseite zu legen. Wenn also jeden Monat 2000€ ohne MwSt reinkommen — 200€ im gleichen Monat auf das Unterkonto bringen.
  • Eigene Arbeitszeit. Diese lässt sich leichter in Form eines Gehalts bestimmen. Noch einfacher ist es zu schauen, was nach allen Ausgaben, laufenden Kosten und Abgaben für euch übrig bleibt :)

Anschließend kann der Anteil von laufenden Kosten für das Projekt bzw. Produkt ermittelt werden. Dieser Anteil plus direkte Kosten für die Herstellung, Ausführung und Logistik ergeben die Gesamtkosten eines Projekts bzw. Produkts.

Wie funktionieren Claras Kosten? 

Clara nimmt an, dass sie durchschnittlich einen großen Auftrag im Monat schafft. Mal werden es zwei kleinere und eventuell kommt sie bei zwei großen im Monat an. Für den schlimmsten Fall rechnet Sie sich aus, was übrig bleibt, wenn nur ein Auftrag im Monat zustande kommt. Sie macht sich so ein Zettel aus den direkten Kosten pro Auftrag + laufenden Kosten aus der vorherigen Berechnung:

KM-Blog - 8

Natürlich hofft sie sehr, in unmittelbarer Zukunft 2 große Aufträge pro Monat zu machen. Sie bleibt nüchtern und berechnet ihre Marge (nicht diese Marge, sondern die Handelsspanne):

Margeberechnung

Die Marge ist wichtig für die Einschätzung, wie profitabel ihr Modell ist. Margen sind in jeder Branche unterschiedlich und sollten realistisch eingeschätzt werden. Ein Supermarkt arbeitet mit sehr geringen Margen (5–10%) und macht nur durch die riesige Absatzmenge interessante Gewinne. Handwerker und sonstige Dienstleister dagegen hat eine wesentlich höhere Marge. Grundsätzlich ist eine Marge von mindestens 50% erstrebenswert. 200% wären natürlich noch schöner.

Anhand dieser einfachen „Servietten-Kalkulation“ kann weiter überlegt werden, woran es gedreht werden kann, um dem Wunschgehalt näher zu kommen. Die Marge könnte erhöht werden (und damit der Auftragspreis). Die laufenden Kosten könnten noch mal durchgegangen werden,  um zu schauen, wo Sparpotenzial ist (vielleicht doch weniger Personalstunden am Anfang?). Oder bei dem Preis und den Kosten bleiben und sich darum bemühen, mehr Aufträge im Monat zu erledigen. Dazu kommt noch das zweite Standbein, welches die laufenden Kosten anteilig verringern würde, aber auch mit mehr Arbeitsaufwand verbunden ist.

Habt ihr noch eure Zettel parat? Jetzt seid ihr dran.

Macht eine Berechnung der Kosten und des Preises für euren Fall. Wenn es ein Produkt oder Dienstleistung ist, die mit reellen Materialkosten verbunden ist, nutzt die Berechnung aus dem Fall von Clara:

  • schreibt alle Materialkosten auf
  • schreibt alle Logistikkosten auf (Versand, Anfahrt)
  • vergesst nicht die MwSt!
  • berechnet die Anteile der laufenden Kosten

Wenn ihr ein virtuelles Produkt oder Dienstleistung habt wie z.B. ein eBook oder ein Online-Kurs, dann müssen folgende Aspekte bedacht werden:

  • Eigener Arbeitsaufwand. Auch wenn die Kosten nicht direkt für die Preisberechnung genutzt werden, ist dieser Kennwert wichtig, um eine Deadline für die Fertigstellung setzen zu können.
  • Herstellungskosten umfassen zusätzlich Design, Druck und Einrichtung. Im Grunde alles, was ihr mithilfe der Fremddienstleister erledigt, um das Produkt zu erstellen außer laufender monatlicher Ausgaben.
  • Baut einen „Unbekanntheitsmultiplikator“ ein, wenn ihr euch nicht 100% sicher seid, wieviel Zeit oder Geld das Projekt beanspruchen wird. Als Daumenwert gilt: die Berechnung möglichst genau zu erstellen und anschließend mindestens 50% draufrechnen. Besser mehr, um auf der sicheren Seite zu sein.
  • vergesst wieder nicht die MwSt!

Mit diesen Zetteln und Berechnungen werden wir zum letzten Teil unserer Businessplan-Erstellung kommen und einen Marketingplan aufstellen. Marketingplan und daraus resultierende Jahresübersicht ist das, was die fachkundige Stelle und die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit am meisten untersuchen werden. Sie werden schauen, ob es mit dem Geschäftskonzept übereinstimmt und ob die Vorgehensweise einigermaßen realistisch sei. Wir wiederum werden zusehen, dass sie (und wir!) mit der Aufstellung zufrieden sind. Schließlich wollen wir wie Clara eher mit so einem Gesicht aufwachen:

Cha-ching-Clara

Bis dahin — viel Spaß bei der Preiskalkulation!

Habt ihr Ergänzungen oder Fragen? Schreibt mir in den Kommentaren!

  1. Bei „Spreu vom Weizen trennen“ geht es darum, Engagement zu festigen. Kostenlose Entwürfe führen zu kostenloser Arbeit. Wer aber bereit ist für den Entwurf 200€ zu bezahlen, wird sehr wahrscheinlich es ernst mit dem Auftrag meinen.
  2. K steht für KILO steht für 1000 und ist eine kürzere Abkürzung als Tsd, was genau so lang ist wie „000“ was dann auch nicht wirklich eine Abkürzung ist in meinen Augen. Also führe ich hier ein für alle mal die „K“-Abkürzung ein und fühle mich gut